Dr. med. Rudolf Keusch zum Thema Wirbelsäule

08. Januar 2014

Oberarzt Dr. med. Rudolf  Keusch 
Facharzt für Orthopädie 
(1230 Wien)

BEGLEITSCHREIBEN zur CD
Elastisch & Kraftvoll – mentale Übungen zur Stärkung und Aktivierung der Wirbelsäule

Die Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates haben in den letzten 20 Jahren dramatisch zugenommen; insbesondere die schmerzhaften Störungen der Wirbelsäule. Damit haben sie sich zur Volkskrankheit Nummer eins entwickelt.

Derzeit leiden zum Beispiel 80 % der erwachsenen Bevölkerung an gelegentlich bis häufig wie-derkehrenden Schmerzen alleine im Bereiche der Lendenwirbelsäule.

Durch diese in Österreich häufigsten Krankheitsbilder kommt es meist zu längerer Arbeitsunfähigkeit, welche mit hohen direkten Kosten für das Gesundheitssystem, aber auch mit indirekten Kosten für den Dienstgeber verbunden sind. Mit 8,4 Millionen Krankenstandtagen im Jahr 2001 liegen diese Erkrankungen an erster Stelle. Sie sind auch der häufigste Grund für eine frühzeitige Pensionierung, zum Beispiel 37,3 % bei den Arbeitern im Jahre 2004.

Die Behandlung erfolgt sehr oft natürlich medikamentös mit Antirheumatika und Analgetica, welche im Jahre 2001 mit 75,5 Millionen Euro zu Buche schlugen. Aufgrund der Nebenwirkungen dieser Pharmaka kommt es zu weiteren Organschäden und damit verbundenen Folgekosten; so wird zum Beispiel ein Viertel der dialysepflichtigen Patienten dadurch verursacht.

Die Hauptgründe für das Ansteigen dieser Krankheiten sind einerseits, dass sich unsere moderne Zivilisation zu einer „Sitzgesellschaft“ entwickelt hat und der Bewegungsapparat zum Ruheapparat umfunktioniert wurde, anderseits aber auch die Zunahme von verschiedensten Stressoren in unserer Umwelt und auch das starke Ansteigen von psychiatrischen Krankheiten.

So sind bei den angestellten Arbeitnehmern in den letzten fünf Jahren die psychiatrischen Krankheiten zum häufigsten Frühpensionierungsgrund geworden, nämlich bei 32,3 % im Jahre 2004.

Schon im Jahre 2001 haben Violinn et al. nachgewiesen, dass verschiedene psychosoziale Umstände die Häufigkeit von chronischen Rückenschmerzen dramatisch erhöhen: zum Beispiel um 50 % bei Einsamkeit oder niedrigem sozialem Status.

Aus medizinischer Sicht muss betont werden, dass die Schmerzstärke bei Syndromen im Rückenbereich nur in 15 % mit den pathomorphologischen Veränderungen im Röntgen korreliert. Oft haben unsere Patienten wenig Veränderungen in den bildgebenden Verfahren und leiden trotzdem unter heftigen Schmerzen. Ursache sind dann verschiedene Funktionsstörungen der Gelenke (Blockierung, Hypermobilität, Instabilität), der Muskulatur (Verspannung, Verkürzung, Abschwächung), der Koordination oder eben die erwähnten psychosozialen Faktoren, welche den Patienten schmerzempfindlicher machen, das heißt die Schmerzschwelle sinken lassen. Dies kann soweit führen, dass sogar leichte Berührung der Haut schmerzhaft empfunden wird, dann spricht man von einer Fibromyalgie oder Panalgesie.

Dass die Wirbelsäule ein wichtiger Repräsentant unseres seelischen Zustandes ist, weiß der Volksmund schon lange und jeder von uns kennt typische Redewendungen wie: „Das hat ihm das Kreuz gebrochen“; „Es lastet mir im Nacken“; „Eine Haltung wie ein König“; „Eine Haltung wie ein geschlagener Hund“; „Den Kopf hängen lassen“; usw.

Auch verschiedene persönliche Eigenschaften widerspiegeln sich an der Wirbelsäule: „halsstarrig sein“; „kein Kreuz haben“; „den Halt verlieren“; usw.

So sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Hör- und Sehstörungen Ausdruck einer „Halsstarrigkeit“ der oberen drei Halswirbel. Die untere Halswirbelsäule leidet oft an „Haltlosigkeit“ und neigt zu Schäden an den Bandscheiben und ebensolchen Vorfällen.

Viele Menschen haben verlernt richtig zu atmen, das heißt sie heben pausenlos die Schultern beim Atmen; man spricht dann von einer pathologischen Hochatmung. Dies hat zur Folge, dass sich die Muskulatur, wie der Trapezmuskel oder die Skalenusmuskel verspannen. Dies führt zu Fehlhaltungen der Wirbelsäule, zu Schulterbeschwerden sowie zu einem Hochstand des Brustkorbes mit eingeschränkter Rippenfunktion. Dies endet häufig in Herzbeschwerden (Pseudostenocardie), Herzrhythmusstörungen oder auch Atembeklemmungen (dyspnoisches Syndrom).

Erfolgt nicht eine kausale Therapie dieser falschen Atmung, das heißt Wiedererlernen einer Bauchatmung und Stressbewältigung, so wird kein dauerhafter Therapieerfolg gegeben sein.

In den untersten drei Lendenwirbelsäulensegmenten leiden viele Menschen an „Haltlosigkeit“. In diesem Bereich finden sich die meisten Instabilitäten, Gleitwirbeln und Bandscheibenvorfälle.

Jeglicher innerer Konflikt, Disharmonie und Stress führen zu muskulärer Verspannung im Bereich der ganzen Wirbelsäule. Dies führt zu Fehlhaltungen und damit rasch zu Fehlbelastungen verschiedener anatomischer Strukturen, wie den Bandscheiben, den Wirbelgelenken und den Bändern. Dadurch kommt es zu Schmerz, welcher die Muskelverspannung weiter verstärkt und zu rascherer Degeneration der überlasteten Strukturen führt.

Auf diese Weise entstehen die meisten Bandscheibenvorfälle: „Ich habe mich selbst unter Druck gesetzt oder durch Andere unter Druck setzen lassen“. Ein Bandscheibenvorfall zwingt den Körper zu Ruhe von mehreren Wochen und seinen Besitzer zu einer Nachdenkphase. Dadurch heilt in über 90% der Vorfall ohne Operation aus.

Eine erfolgreiche Therapie bei schmerzhaften Wirbelsäulenstörungen setzt immer auf mehreren Ebenen an. In der Akutphase steht die körperliche Ebene mit schmerzlindernden Massnahmen im Vordergrund, dann folgt die geistige Ebene zur Erkennung von krankmachenden Faktoren im Haushalt, beim Sport, am Arbeitsplatz (Ergotherapie) und schließlich die seelische Ebene zum Aufspüren von (oft unbewussten) inneren Disharmonien und Konflikten, sowie der Behandlung derselbigen mit verschiedenen Maßnahmen. Dabei spielt das kognitive Training im Sinne von Mental- und Bewusstseinstraining eine zentrale Rolle und ist der Garant dafür, auch in Zukunft beschwerdefrei zu bleiben.

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